Betrug

In einer Facebook-Gruppe, deren breit gefächertes Thema nicht mal wirklich «Internet-Marketing» ist, ging es neulich extrem hoch her. Ein User, dessen Namen mir inzwischen entfallen ist, hatte in seinem Posting u.a. ganz direkt behauptet:

«Fritz Recknagel ist ein Betrüger!»

[Willst Du gleich meine Meinung dazu wissen? Klicke hier!]

Daraufhin entbrannte ein ziemlich heftiger Streit zwischen den Gruppenmitgliedern. Na, ich habe mich da rausgehalten und lieber nur still mitgelesen. Irgendwann wurde es dem Admin dann wohl doch etwas zu heiß – er löschte das Posting.

Worum genau ging es in diesem Streit?

Besagter User hatte ein kostenloses Webinar besucht. Das Webinar von Fritz Recknagel, in dem er sein neuestes Projekt – die «Digital Army» – vorstellt, das er anscheinend zusammen mit seinem Partner Philipp Bolender, dem Nischen Nerd, ins Leben gerufen hat.

So weit, so gut. Oder halt auch nicht.

Jedenfalls erboste oder beklagte sich dieser User in der Facebook-Gruppe unter anderem darüber, dass dieses Webinar von Fritz Recknagel ihn getäuscht hätte. Oder genauer gesagt: dass Fritz Recknagel selbst den User getäuscht hätte. Und zwar mit Worten.

Auf Nachfrage im Posting erklärte uns dann der User, im Webinar hätte Fritz an mehreren Stellen behauptet, das Webinar sei live. Zum Beispiel in zwei Momenten, als er im Rahmen des Webinars zwei Testimonial-Videos von Oliver Lorenz und einem anderen befreundeten Marketer zeigen wollte, das aber nicht so richtig klappte. So nach dem Motto (sinngemäß):

«Na ja, wir sind ja live – da läuft halt nicht immer alles glatt…»

Aber er – dieser User – habe später an anderen Details bemerkt, dass es gar kein Live-Webinar war. Nun fühle er sich getäuscht, verarscht, für dumm verkauft – und er werde sich den Kurs garantiert nicht kaufen, weil er nichts mehr glauben könne, was Fritz Recknagel so behaupte. O-Ton:

«Mein Vertrauen in den Fritz ist zerstört. Ich war ja immer ein Fan von ihm. Aber wer garantiert mir denn, dass da nicht noch mehr Fake war? Nee, dem kann ich jetzt echt nix mehr glauben…»

Als der Begriff «Fake» in der FB-Gruppe fiel, klingelte es bei mir. Da war doch erst neulich was, vor nicht mal drei Monaten, im Zusammenhang mit Fritz Recknagel und Fakes. Ich habe dann diese Diskussion nicht weiter verfolgt, sondern beschlossen, mich anonym beim nächsten Webinar von ihm anzumelden. Ich wollte mir das alles interessehalber selbst ansehen und anhören, weil ich mir erst mal dachte: «Das kann ja wohl nicht sein!»

Doch, es konnte. Es war so, wie der User in der Facebook-Gruppe es beschrieben hatte. Mehrmals tat Fritz so, als wäre das Webinar wirklich eine Live-Veranstaltung. Das kann man nun schlimm finden – oder auch nicht. Jedenfalls ist es eine absichtliche Täuschung.

Anyway, ich habe mir das ca. 50 Minuten lange Webinar zur privaten persönlichen Nutzung sogar extra mit Camtasia aufgezeichnet.

Nun mögen manche einwenden: „Es weiß doch eh jeder, dass solche Webinare nicht live sind, sondern vorher aufgezeichnet werden!“ Echt? Ist das so? Weiß das jeder? Frage: Und warum wird dann trotzdem so getan, als wäre es live – wenn angeblich sowieso jeder weiß, das es nicht live abgehalten wird? Das wäre ja kontra-produktiv. Ich denke nämlich, es gibt genug Unbedarfte, die sich in unserem Metier gar nicht auskennen und denen man so ein Webinar durchaus als «live» verkaufen kann. Und das ist der Hintergrund.

Aber: Welchen Vorteil hat man als Anbieter eines Webinars dadurch? Warum stellt man denn so ein Webinar als «live» dar, wenn’s doch aufgezeichnet ist und (nur) automatisch abgespielt wird? Vermutlich weil dadurch beim Webinar-Teilnehmer ein Gefühl wie dieses aufkommt:

„Wow, der macht das extra live! Der investiert viel Zeit. Was für ein Aufwand! Ja, das muss honoriert werden – ich kaufe mir das Produkt!“

Also: eine perfide Manipulation. Psycho-Tricks.

Durch die angebliche «Live-Präsentation» kommt zum einen wohl mehr (vermeintliche) Nähe oder Vertrautheit zwischen dem Referenten und seinem Zuseher auf, zum anderen entstehen beim Zuseher Schuldgefühle, wenn er durch das Webinar quasi gerade viel bekommen hat, dafür aber nichts zurückgibt. Sprich: Wenn er also trotz allem nichts kauft. Dann geht er vielleicht mit einem schlechten Gefühl ins Bett. Und wer will das schon?

Noch ein Grund, warum man Webinare anbietet: man will E-Mail-Adressen potentieller Kunden sammeln. Andernfalls könnte man ein Video auch einfach öffentlich zugänglich online stellen. Ich persönlich finde das Sammeln von E-Mail-Adresse nicht verwerflich. Es ist üblich, und ich mache das ja auch. Es gibt aber auch noch andere Wege, an die Kontaktdaten von möglichen Kunden zu kommen. Dazu muss man nicht unbedingt ein Webinar anbieten.

Bei mir jedenfalls wird’s keine Webinare geben. Ich mag das nicht. Das Webinar von Fritz Recknagel war auch überhaupt erst das zweite, das ich mir im deutschen Sprachraum angesehen habe. Das erste war im Dezember 2015 mal eins von Enrico Schütze, mit dem er seinen «Clever eStore» bewarb. Auch in diesem Webinar wurde den Usern vorgespiegelt, es sei jetzt gerade «live on air» – allerdings in einer, wie ich fand, ebenso dreisten wie sofort durchschaubaren Art und Weise. Seitdem kann ich diesen Typen nicht mehr leiden. Diese Antipathie mag aber auch mit seiner Ossi-Aussprache zu tun haben. Ich kann diesen Dialekt einfach nicht hören!

Aber zurück zu der eigentlichen Frage:

Ist Fritz Recknagel ein Betrüger?

Schauen wir uns dazu mal die entsprechende Norm im StGB (§ 263 StGB) an. Dort heißt es unter anderem und Abs. 1 und Abs. 2:

(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

Nun mag jeder für sich selbst entscheiden, ob es sich im Sinne des StGB um einen «Betrug» handelt, wenn jemand im Rahmen einer Verkaufsveranstaltung (hier: Webinar) falsche Tatsachen vorspiegelt, um potentielle Kunden zu einem Kauf zu bewegen.

 meine laienhaft juristische Meinung dazu

Fritz Recknagel ist meines Erachtens eindeutig kein Betrüger. Wer so etwas behauptet, der ist unseriös oder hat zumindest nicht nachgedacht, bevor er den Mund aufmachte. Denn: es fehlt im vorliegenden Fall allein schon an der notwendigen Kausalität zwischen einer etwaigen «Täuschungshandlung» (hier: «Das Webinar ist live!») und der Kaufentscheidung des Kunden (hier: «Ich kaufe mir den Kurs.»). Der Kunde kauft ja nicht das Produkt, nur weil er meint, das Webinar sei «live» (gewesen). Er kauft es, weil ihn die Eigenschaften des Produkts ansprechen – nicht weil das Webinar (scheinbar) «live» war.

Anders sähe es im folgenden Fall aus:

In einem Webinar wird behauptet, ein Kurs würde aus 50 Videos bestehen. Preis: 50 Euro. Der Kunde sagt sich: „Hey, das ist preiswert – da bekomme ich was für mein Geld!“ Und er kauft. Im Mitgliederbereich stellt er fest, dass es gar nicht 50 Videos sind. Sondern nur ein einziges. Folge: Betrug! Das ist so klar wie Kloßbrühe.

Zwar vereinfacht dargestellt – ist aber so.

Abschließend noch ein paar gut gemeinte Worte an den Fritz: Du weißt ja bestimmt, ich bin ein kleiner «Rechtschreib-Nazi». Auf Deinen vielen Folien im Webinar waren wirklich haufenweise (überflüssige und dumme) Rechtschreibfehler. Das macht sich echt nicht gut, finde ich. Melde Dich doch beim nächsten Mal einfach bei mir. Dann schaue ich gerne mal drüber. Und zwar bevor ihr online geht!

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